Verein zeitgemäß?

Menschen, die einem Verein beitreten, tun dies aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich kann man festhalten:

  • Sie versprechen sich einen persönlichen Vorteil davon
  • Sie suchen soziale Nähe unter Gleichgesinnten
  • Sie stehen zu ihrer gesellschaftliche Verantwortung (Feuerwehr…)

Unsere Filmclubs im BDFA sind durchweg eingetragene Vereine, jeweils mit etwas unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, die sich von allgemein bekannten Vereinen schon durch die Bezeichnung “Club” unterscheiden. Die Gründer wollten damit zeigen, dass besonders Menschen, die

nichtkommerzielle Filme drehen, eine individuell geprägte Umgebung und maximale persönliche Freiheit benötigen. Maßnahmen zur zwanghaften Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, wie lange Reden, Kohlfarten, Polonaise und Alkoholmissbrauch wird man bei uns nicht finden.

Was Sie finden:

  • Eine große Anzahl von Leuten, die eigentlich nie einem Verein beitreten wollten.
  • Kompetente, verständige Ansprechpartner zu Fragen der Videotechnik und zur Gestaltung von Filmen im Hobbybereich. Mitglieder bringen gerne eigene Filme mit, nicht nur zur Unterhaltung, sondern weil sie wünschen, auch die Meinung Anderer über ihr eigenes Werk zu erfahren.
  • Gottseidank nicht nur Superfilmcracks. So sind auch für nicht so erfahrene Filmer oder Nichtwettbewerbsfilmer immer Ohren und Augen offen.
  • Eine große Anzahl von Filmabenden im Clubprogramm, an denen Sie sich viel darüber abschauen können, wie man heute Filmprojekte angeht, Filme gestaltet und herstellt. Dieser Lerneffekt wird vor allem dadurch angeregt, dass über die Vorteile und Schwächen jedes Films aus dem Programm diskutiert wird, also etwa, wie er besser beim Zuschauer ankommt oder angekommen wäre.
  • Clubausflüge in die Umgebung oder zu filmisch interessanten Orten, um Vorschläge zum Dreh auch gleich praktisch zu erpoben.
  • Seminare und Fachvorträge, meist zu technischen und gestalterischen Fragen.
  • Eine größere lokale Filmveranstaltung jährlich, damit Ihr Film auch mal einen größeren Zuschauerkreis findet.
  • Möglichkeit zur Teilnahme an Wettbewerben des BDFA, auf Wunsch unterstützt vom Club.
  • Eine feierliche Veranstaltung vor Weihnachten, bei der wir uns bei Kaffee und Kuchen diejenigen Filme des Jahres anschauen, die Preise gewonnen haben.

In eine Community?

Die mit einer verbesserten Nutzung des Internets aufgekommenen Communities erscheinen vielen Menschen, die Videos veröffentlichen wollen, zeitgemäßer. Einfach einen Film hochladen, dikutieren lassen und Preise gibt es auch mal zu gewinnen.

  • Tatsächlich ist diese Art mit dem Medium umzugehen, schneller.
  • Auch an Kreativität mangelt es nicht. So wurde der köstliche “Brickfilm”, also die Animtion von Playmo- und Legofiguren, zuerst von jungen Autoren in diesem Umfeld verbreitet. Inzwischen haben sich kommerzielle Hersteller von 3D-Software dieser guten Idee angenommen. Das kann nun jeder. Trotz perfekter Technik mangelt es jüngst etwas an der Magie des Neuen.
  • Kurzfilme sind immer besonders knackig, denn wegen der langen Hochladezeiten wird sich auf das Wesentliche, Aussagekräftigste konzentriert. Besonders gerne werden junge Themen aufgegriffen und auf erfrischende Art verarbeitet.
  • Obwohl man zeitweise echte Meetings organisiert, werden die meisten der Web – Zuschauer in absehbarer Zeit keine Großprojektion wie im Kino erleben können. So haben Filme keine Chance, die von der Eindrücklichkeit großer, scharfer und brillianter Bilder leben.
  • Da jeder Zuschauer sich die kleinen Bilder allein zu Hause ansieht, fehlt das unmittelbare Erlebnis, das sich in einer Kinoatmosphäre durch die Lebendigkeit und Mitgehen der Zuschauer einstellt. Im Kino führt der dunkle Raum auch zur Konzentration auf das,  was der Filmautor uns vermitteln möchte, während zu Hause reichlich Ablenkungen vorhanden sind und viel vom mühsam Hergestellten beim Betrachter nur oberflächliche Wahrnehmung findet. Dies ist alles noch viel weniger eindrücklich als im Fernsehen, bei dem Zuschauer gerne schwatzen während Filme laufen und dabei vielleicht das Wichtigste verpassen.
  • Die Diskussion über vorgeführte Filme im Web findet meist in schriftlicher Rede- Antwortfolge statt. Je nach Teilnehmern entwickelt sie sich mal fachkundiger, mal weniger. Einzelne Kritiker tauchen mit Künstlernamen, fantastischen Mailadressen und falschen Bildern auf und meinen, aus der Anonymität heraus kein Blatt vor den Mund nehmen zu brauchen – schließlich müssen sie keine Folgen von unsachgemäßen Aussagen persönlich fürchten. So verbrauchen Diskussionen schon mal viel Zeit, vor allem, wenn sich auch noch einige hervortun wollen oder Beschimpfungen eigener Orthografie tippen, voreingenommen sind und von der Leitung zur Ordnung gerufen werden müss(t)en.
  • Am störendsten ist jedoch die vorgegaukelte persönliche Diskussion, denn sie bleibt in Wirklichkeit anonym. Nicht nur dem Auditorium, auch vielen Autoren mag das recht sein: Solange sie anonym und ohne eigenes Gesicht bleiben, können sie Hohn und Spott leicht ertragen. Andererseits kommt dann aber sachliche, zu Verbesserungen führende Kritik ebenfalls nicht an.
  • Die Möglichkeit, sich z.B. über Skype von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten, verbessert da vielleicht die Lage. Aber auch hier nur vorgeblich: Der Eindruck von Wirklichkeit soll sich nun über ein flaches, frontales Bild und dünnem Ton einstellen. Beispiel: Oft werden Journalisten und Sprecher des Fernsehens auf der Straße gar nicht erkannt. Ebenso wenig identifiziert man Landschaften, die man vorher nur im Film gesehen hat.
  • Durch die Reduzierung der Sinne bleibt unser Medium ein Fake. Bei Filmen erwartet man auch nicht die allerletzte Realität, nutzt sie sogar für tolle, erfundene Geschichten. Aber wer vom Medium Internet her unreflektiert die wirkliche Welt erleben möchte, befindet sich ebenso auf dem Holzweg wie eine Facebook – Tante mit 30.000 “Freunden”, die sie stehts zugunsten einer nordamerikanischen Behörde glaubt pflegen zu müssen. Deswegen gibt es bei uns auch keine Tasten für “find’ ich gut, weiter so” usw.

Wenn dies Unechte, Unverbindliche, Anomyme, sich auf nichts so richtig einlassen, nicht mitgehen, distanziert bleiben wollen zeitgemäß ist, dann haben wir es eher mit einem gesellschaftlichen Hintergrund zu tun, den wir als Amateurfilmer nicht ändern können. Von da her nimmt es nicht Wunder, dass viele unserer Mitglieder sich im gereiften Alter befinden, zwar technisch mit ihren Videogerätschaften auf dem aktuellen Stand (sofern es der Geldbeutel erlaubt), aber bezüglich der Thematisierung und Vorstellung ihrer eigenen Filme das bevorzugen, was sich über Jahrzehnte als das Optimum entwickelt und herausgestellt hat.

Verloren in Foren

Was Fragen zur Gestaltung von Film, technische und handwerkliche Tipps angeht: Hier ein Erfahrungsbericht

  • In einem Forum wird erst einmal weitschweifig geprüft, ob Deine Frage eigentlich in dies Forum gehört (“störe unsere Kreise nicht”), um die Machtfrage (Erklärungshoheit, Wichtigkeit) zu klären.
  • Dazu wird Dir indirekt vorgeworfen, vom Betrieb Deiner Geräte keine Ahnung zu haben oder dass Du Dich erstmal verständlich äußern sollst (damit nicht herauskommt, dass es dem Schreiber auch regelmäßig so ergeht).
  • Dann melden sich alle diejenigen, die gerade online sind und keine Antwort auf Dein Problem haben, aber sich dazu äußern wollen (“ich bin wichtig”).
  • Dann melden sich diejenigen, die sich Deiner annehmen wollten aber die Fragen nicht verstanden haben, weil sie in mehr als zwei leichte Sätze eingkleidet war.
  • Nach einigem Hin und Her ist das “Terrain abgesteckt”, aber Du bekommst immer noch keine Lösung, weil sich einige Leute mit scheinbar verwandten Fragen melden (“das hab’ ich auch gehabt”), die aber mit Deinem Problem nichts zu tun haben.
  • Ein ähnliches, anwachsendes Klientel gibt dann Äußerungen ab, die in ihrer Verworrenheit sich einem normalen Muttersprachler, selbst wenn diesem anderssprachiger Satzbau nicht fremd ist, inhaltlich nicht erschließen. Gut ist, dass die nur ihren Senf absondern und nicht auch noch auf Nachfragen antworten.
  • Dann wird Dir ein Dutzend Links auf andere Foren gegeben, die das Thema angeblich gelöst haben, was sich als Fehlschag erweist.
  • Weitere Weblinks hageln herein, von Seiten, die Du bei der Suche schon vorher gefunden hattest. Da sind so richtige Schlaumeyer dabei, die denken, Du könntest selbst die Tasten Deiner Suchmaschine nicht tippen.
  • Nach einigen Tagen meldet sich vielleicht mal einer, der ohne Umschweife Deine Fragen beantworten kann und Du erhältst Deine Infos nach einigen Rückfragen. Anschließend melden sich dann weitere Personen, denen es auch so geht oder die das alles immer schon gewusst haben. Glückliches Ende. Es lebe die Kommunikation zwischen Leuten, von denen, statistisch gesehen, nur 70% die Inhalte von gedruckten Texten erfassen können.

In Foren und “sozialen Medien”
kann man sein ganzes Leben verbringen, ohne je eine Antwort auf seine Fragen erhalten zu haben. Das Leben allerdings währt kürzer bei all dieser kaum zu ertragenden kommunikativen Armseligkeit, die sich hinter Wichtigtuerei und der Konzentration auf das Nebensächliche verbirgt.

Im Filmclub
kann man in einem direkten Gespräch mit einem anderen erfahrenen Fachmann in 5 Minuten mehr, richtigere und schneller die einem fehlenden Informationen erhalten; in dringenden Fällen hilft ein Telefongespräch oder ein Besuch vor Ort. Das ist, als setze man sich einen Moment direkt neben eine Regisseur oder Cutter. Auch bei einfachen Problemen finden Sie stets jemanden, der Ihnen weiterhilft. Wir haben ja alle mal angefangen oder uns mit den wirrsten Problemen herumgeschlagen, kein Grund also, sich aufzuspielen.

Darum gehen Sie, wenn Sie stets persönlich und verantwortungsbewusst informiert werden wollen, in einen Club Ihrer Wahl in Ihrer Nähe. Oder gründen Sie Ihren eigenen. Das ist zeitgemäß.